Man spürt das menschliche Mass: Ställe als Zeitzeichen.
Idyllisch sieht sie aus, die Valser Kulturlandschaft mit den vielen kleinen Ställen über die ganzen Hänge zerstreut. Jene, die vor 1800 gebaut wurden, sind noch Rundholzställe. Der untere Teil, in dem das Vieh gehalten wurde, bestand aus Bruchsteinmauern, darauf wurden die Rundhölzer zum Heustall aufgeschichtet. Diese Ställe sind sehr klein. Diese alten Rundholzställe sind heute niedliche Kleinode in der Landschaft.
Ab 1880 hat dann eine neue Bautechnik Einzug gehalten. Man musste - das neue Forstgesetz war in Kraft - Holz sparen, also baute man bei den Ställen steinerne Eckmauern, und für die Wände dazwischen wurden Bretter verwendet.
Und dann, ab etwa 1980, setzte auch in Vals und überall im Bergebiet das ein, was in der Tal-Landwirtschaft schon immer der Fall war, man baute in Dorfnähe grosse, so genannte zentrale Ställe, die einerseits Platz für die ganze Viehhabe aufwiesen, Raum für alle Futter, Melkmaschinen und Milchkammer boten. Zudem lohnte es sich, Heugebläse einzubauen, um im Stall das Futter nachzutrocknen. Denn damit wurde es plötzlich möglich, dass man bei schönem Wetter am Morgen mähen und am Abend - je nach Wiesentyp - schon das trockene Heu oder Emd in die Ställe einführen konnte - ein gewaltiger technischer Sprung für Täler, in denen es im Sommer auch mal regnet, wie auch in Vals. Und so rattern eben die Ladewagen im Sommer durchs Dorf, von den Feldern zu den zentralen Ställen.