Material und Präsenz.
Zur Architektur des Bades von Peter Zumthor.
«Berg, Stein, Wasser – Bauen im Stein, Bauen mit Stein, in den
Berg hineinbauen, aus dem Berg herausbauen, im Berg drin-
nen sein –, wie lassen sich die Bedeutungen und die Sinnlichkeit,
die in der Verbindung dieser Wörter steckt, architektonisch
interpretieren, in Architektur umsetzen? Entlang diesen Frage-
stellungen haben wir das Bauwerk entworfen, hat es Schritt für
Schritt Gestalt angenommen.»
Peter Zumthor Therme Vals, Verlag Scheidegger & Spiess, S. 57
«Unsere Entwurfsidee für das Thermalbad sah riesige, ausgehöhlte Steinblöcke vor.(…) Doch die grössten in Vals herstellbaren, transportierbaren und vor allem auch mit Manneskraft noch zu Mauern aufschichtbaren Steinblöcke waren, gemessen an der Vorstellung der raumhohen Blöcke, die unser Gebäude bestimmen sollten, vergleichsweise winzig. So entschieden wir uns dazu, den gewünschten Effekt der monolithischen Wirkung unserer Blöcke mit einer Art „Steingewebe“ zu erzielen, und haben ein Fugenbild entworfen, das uns erlaubte, die Steine zu einer homogen wirkenden Wand zusammenzufügen. Das in vielen Arbeitsschritten schlussendlich entwickelte Fugenbild basiert auf dem Prinzip der lagerhaften Schichtung von dünnen Steinplatten in drei unterschiedlichen Höhen: 31, 47 und 63 mm. Diese drei Schichthöhen durchziehen das ganze Bad von unten nach oben. Lage um Lage. Ohne Ausnahme.»
Peter Zumthor in Stein und Wasser – Kultur Winter 2003/04 (Hg. Therme Vals)
«Die Deckenplatten, Pfeiler und Bodenplatten bilden ein dreidimensionales Raumgefüge – Masse, Lichter, Auskragungen, Lasten. Die Massen sind gross und schwer, die Zwischenräume und Auskragungen riesig. Und der mäandrierende Raum zwischen Blöcken drängt immer wieder ans Licht, geht zur Aussicht, wo die Blöcke in grossen Bildern den Blick in die Landschaft rahmen, den Hang der gegenüberliegenden Talseite.»
Peter Zumthor Therme Vals, Verlag Scheidegger & Spiess, S. 47
«Der gesamte Baukörper erstreckt sich über eine Breite von circa 58 Metern und steckt bis zu 34 Meter im Hang vor dem Haupthaus des Hotelkomplexes, einem Bau aus den 1970er Jahren, der in einem grosszügigen Bogen an der nordöstlichen Ecke des Grundstückes steht und aus vier Loggien-Reihen auf das Grasdach der Therme schaut. Es sind fünfzehn Steinquader in Grössen von drei bis fünf Metern Breite und sechs bis acht Metern Länge, die jeweils einen Teil des Daches tragen. Sie sind auf einem strengen, rechtwinkligen Raster komponiert und stehen wie Monolithe, zueinander gedreht nach dem System eines Windrades.»
Peter Zumthor Therme Vals, Verlag Scheidegger & Spiess, S. 95
Buch "Peter Zumthor - Therme Vals"
Valser Quarzit
Insgesamt wurden für die Wände der Therme 450 m3 oder 1300 Tonnen Valser Quarzitplatten zu 3100 m2 Wandfläche in 20 Schichten pro m2 verarbeitet. Die Länge aller verwendeten Plattenstreifen zusammen ergibt 62‘000 Laufmeter.
- Druckfestigkeit: etwa 217 N/mm2
- Rohdichte: 2‘698 kg/m3
- Gefräste Steinplatten: Stärken 6,3,4,7 und 31. Cm
- Toleranz: 1 mm
- Breiten: 12 – 30 cm
- Längen: bis 3.20 m
- Fugenbreite: etwa 2 mm
Grotten
- Trinkstein: polierte Quader aufeinander- geschichtete Grösse etwa 0.5 – 1 m3
- Quellgrotte: gebrochener Stein im Innern
- Schwitzstein: eingefärbter und polierter Beton
- Steininsel: grossformatige gespaltene Platten bis zu 3 m2 je Platte