Aktuell in der Therme

Architektur der 60er

Der Gebäudekomplex des ehemaligen Kurhotels entstand Ende
der sechziger Jahre im Auftrag des deutschen Industriellen
Kurt Vorlop, der den Architekten Rudolf Berger aus München mit
dem Bau des Kurzentrums beauftragte. Es entstanden vier
Einzelbaukörper mit 1000 Betten in 345 Appartements und dem
«ersten hochalpinen Thermal-, Mineral-, Wellen-, Hallen- und
Freibad Europas» mit kompletter Kurmittel- und medizinischer
Abteilung.

Die Architektur der Bauwerke ist für den Zeitabschnitt der späten
60er Jahre prägend. Scheinbar ohne Rücksicht auf Ort, Kon-
text oder Material errichtet, erschliesst sich die filigrane Ästhetik
der Struktur, des Materials, der Form und Transparenz beim
Sehen-wollen. Das architektonische Schaffen in den 60er Jahren
ist Ausdruck des Zeitgeistes einer Epoche von Fortschritts-
glauben, Technikbegeisterung und Wirtschaftswunder. Die neu
entstandene Baukunst zeigt sich gewollt provokativ und lässt
sich von der damaligen, gesellschaftlichen Aufbruchstimmung
nicht abkoppeln.

In den letzten Jahren sind zahlreiche Bauten aus den 60er Jahren durch Abriss verlorengegangen. Nun werden aus den Reihen
der Architekten vermehrt Gegenstimmen laut, welche auf Bewah-
rung dieser Zeitzeugen drängen – ein Hinweis darauf, dass
Eigenart und Bedeutung der Architektur aus den 60er Jahren mitt-
lerweile erkannt werden.